Review – Diablo III

Ja, ich habe zunächst gemeckert und geflucht und mich sogar zu einem kleinen Minimaltrolling mit augenzwinkerndem Humor auf der Activision Blizzard Facebook-Seite hinreißen lassen. Aber das Ärgernis des Launchtages und der Serverprobleme kann das Erlebnis, das man als Spieler mit „Diablo III“ hat, nicht schmälern. Nur vielleicht minimal versalzen.

Aber nicht jedem muss diese Suppe schmecken.

Seit dem Vorgänger „Diablo II“ und seinem Add-On „Lord of Destruction“ ist eine Menge Zeit vergangen. Fast 12 Jahre später darf wieder fieses Zeug zu Tode geklickt werden. Starke Maushand und gute Reflexe vorausgesetzt taucht man als Spieler erneut in die Welt von Sanctuary ein und sucht sich aus den fünf Charakterklassen seinen Favoriten heraus. Dabei ist im Gegensatz zu den Vorgängern diesmal die Spielweise noch wesentlich spürbarer anders je Charakterklasse, und das geht nicht erst beim Mana los.

Denn das klassische Mana existiert nur noch beim Hexendoktor, den man am ehesten vielleicht noch mit dem Necromancer aus „Diablo II“ vergleichen kann. Er setzt auf Monsterbeschwörungen, Verfluchen von Feinden und zaubert mit Mana, welches sich langsam regeneriert. Ansonsten hat jede Charakterklasse neben der Lebensenergie eine andere Ressource, die es für diverse Skills auszuschöpfen gilt. Dämonenjäger nutzen Hass (für Offensivskills) und Disziplin (für Defensivskills), beides sich erneuernde Ressourcen, und sind im Fernkampf wahre Experten und vielleicht auch eher wie beim Hexendoktor den fortgeschrittenen Spielern zu empfehlen. Der Mönch setzt auf Nahkampfangriffe, Combos und Flächeneffekte und nutzt Geisteskraft als Ressource, welche sich nach und nach durch Angriffe auflädt. Der Zauberer verfügt über arkane Energie, die sich schnell regeneriert und ist sowohl für effektiven magischen Fern- als auch Nahkampf zu gebrauchen. Der Barbar als Hau-drauf-Charakterklasse für den Nahkampf generiert Wut, die sich durch erlittenen Schaden oder ausgeteilte Schläge auflädt, aber nach einiger Zeit wieder abnimmt. Als Einsteiger ist der Barbar vielleicht am ehesten zu empfehlen, wobei der Zauberer auch viel Potential hat. Unnötig zu erwähnen, dass jede Charakterklasse wahlweise männlich oder weiblich gespielt werden kann?


Hack, Slash, Loot: seit jeher die Kernelemente der Serie


Zerstörbare Umgebungselemente sind zerstörbar

Auch wenn das Skillsystem durch die Vereinfachungen deutlich „casuallastiger“ wirkt und euer Charakter seine Werterhöhungen nun automatisch erhält, heisst das noch lange nicht, dass das Spiel kein echtes „Hardcore“-Spiel der Marke Diablo mehr ist. Mit der Opening-Sequenz, dem Einstieg in die Story, der Präsentation, den kleinen Details (speziell wenn es etwas blutiger zur Sache geht), der Musik und dem im Kern seit dem Erstling eigentlich unverändertem Gameplay ist es eine würdige Fortsetzung. Wer auch nur einen der beiden Vorgänger gespielt hat, fühlt sich von der ersten Minute an wieder wie zu Hause. Monster zu Tode klicken, Loot einsammeln, mehr oder weniger mühsames Aufleveln und euch langsam aber stetig Richtung Storyfinale kämpfen. Klassisch, unverändert, zeitlos.

Habt ihr Freunde, die auch „Diablo III“ haben? Öffnet euer Spiel für die Masse oder ladet eure Freunde ein oder treten selbst einfach dem Spiel eines Freundes bei und schon könnt ihr gemeinsam schnetzeln. Erfahrungspunkte werden geteilt, mit mehr Spielern steigt auch der Schwierigkeitsgrad an. Jeder sammelt übrigens sein eigenes Loot, das Stehlen von Loot ist also nicht mehr möglich. Schade, dass es keine Voicechat-Funktion gibt und die Kommunikation im Spiel selbst auf ein kleines Chatfenster beschränkt ist, aber wozu gibt es immerhin Skype, Teamspeak und Konsorten?

Alleine müsst ihr nie in der Welt Sanctuary sein. Ab einem gewissen Punkt erhaltet ihr die Möglichkeit, einen KI-Mitstreiter an eurer Seite zu haben. Anfangs nur den Templer Kormac, später den Schurken Lyndon und im zweiten Akt dann mit Magierin Eirena die letzte Person im Bunde. Eure Mitstreiter sammeln ebenfalls Erfahrung und lernen ab bestimmten Leveln Skills, die euch dann im Kampf unterstützen können. So oder so, nicht nur ween ihres Nutzens im Kampf wollt ihr mit Begleitern spielen. Gerade in diversen Dialogen, die sich ab und zu ergeben (auch zwischen den Begleitern selbst), eröffnet sich euch ein Teil der Seele von „Diablo III“. So oberflächlich die automatisch ablaufenden Gespräche auch sein mögen, tragen sie doch stellenweise gut zur Atmosphäre bei und erfüllen das Spiel einmal mehr mit Leben. Auch der Humor kommt gut zur Geltung und ist stellenweise sehr, sehr schwarz.


„Yes, I do!“


Das hier ist noch sehr harmlos, in späteren Kapiteln geht der Punk ab auf dem Bildschirm

Das Itemmanagement wurde stark vereinfacht. Eure Truhe ist jetzt für all eure Charaktere zugänglich und große Gegenstände belegen nun maximal 2 Inventarslots (kleine 1 Slot). Ihr braucht keine Schriftrollen zur Identifikation und für das stadtportal mehr, magische Gegenstände werden automatisch und seltene auf Knopfdruck identifiziert. Sobald ihr im Spiel eine bestimmte Stelle in Akt 1 erreicht habt, könnt ihr mit beherztem Druck auf „T“ und einer geringen Wartezeit in die Stadt teleportieren. Euer Charakter erlernt seine Fähigkeiten nun automatisch mit Levelaufstieg, dasselbe gilt für Verbesserungen der Charaktereigentschaften. Verskillen ist nun unmöglich, und das in sowohl negativem als auch positiven Sinn. Es wird ugänglicher, ohne casual-artig zu wirken. Die Skills sind alle bestimmten Tasten zugeordnet, und ein entsprechender Modus, die gelernten Skills frei auf die Tasten belegen zu können, ist in den Optionen versteckt. Spätestens auf den höheren Schwierigkeitsgraden ist das manuelle Umordnen auch bitter notwendig, wie ich vielerorts lesen durfte. Normale Schwierigkeit gibt es am Anfang, nach und nach schaltet ihr durch Durchspielen die höheren Schwierigkeitsgrade Alptraum, Hölle und zuletzt den neuen Inferno-Schwierigkeitsgrad aus. So oder so, das erste Durchspielen ist für geübte Spieler zwischen 15 und 20 Stunden möglich (inklusive Hetze), wer jedoch einmal dem Spiel verfällt, für den sind 200 Spielstunden und mehr keine Unmöglichkeit.

Ein System zum Anfertigen von Ausrüstungsgegenständen und Edelsteinen existiert ebenfalls, euer Juwelier und Schmied wollen aber, um bessere Gegenstände herstellen zu können, aufgelevelt werden, und ihr werdet hierfür auch eine Menge Goldstücke investieren. Und schon schnell stellt ihr fest, dass die angefertigten Items oft wesentlich besser sind, als das gefundene Loot. Monster sind jedoch geizig mit dem Fallenlassen von Gold und die Items haben bei den Händlern im Spiel einen miserablen Verkaufspreis, deswegen solltet ihr schauen dass ihr unnütze Items evtl. anders zu Gold macht. Zum Beispiel im Auktionshaus.


Engelsflügel, das Extra aus der Collector’s Edition


Good vs. Evil

Dass ihr Gegenstände über das Auktionshaus verkaufen könnt, sollte mittlerweile bekannt sein. Ob dadurch ein wenig der Spielspaß kaputtgehen könnte, ist eine berechtigte Frage. Die Suche nach dem perfekten Equipment treibt enorm an, ob man jetzt seinen Charakter gegen Echtgeld oder Goldmünzen aufwertet oder auch nicht. Hier stellt sich aber besonders in Hinblick auf das PvP-System, welches Ende des Jahres seinen Weg in das Spiel finden soll, die Frage, ob Fairness gewährleistet werden kann oder sich Spieler Vorteile durch Items erkaufen. Da jeder Charakter alle Skills seiner Klasse erlernen kann und sich auf dem Maximallevel nur noch in der Ausrüstung unterscheidet (und der eingefärbten Rüstung), bleibe ich skeptisch. Für mich ist es aber interessant, das Loot, welches ich nicht gebrauchen kann, über das Ingame-Auktionshaus zu verkaufen und zu Gold zu machen. Ob und wie es sich lohnt, bare Münze zu bekommen, hängt auch von den Transaktionsgebühren und der Provision ab, die Blizzard einbehalten will.

Es ist auf jeden Fall ein interessanter Schritt, um den damals noch vorherrschenden ebay-Handel mit Gold oder Items langfristig zu unterbinden und gleichzeitig auch selbst etwas vom Kuchen abzuhaben. Ob sich die Spieler auf Dauer damit anfreunden können, das wird sich erst in einigen Monaten zeigen. Bis jetzt ist nur das Gold-Auktionshaus verfügbar und die Preise sind stellenweise einfach nur utopisch. Auch hier wird die Zeit ein wesentlicher Faktor sein, damit sich die Preise bald auf ein Niveau einpendeln und alle Spieler etwas davon haben.


Das Identifizieren der Gegenstände ist nur noch bei den Rare-Items notwendig, und auch das geht mittlerweile per einfachem Rechtsklick


Der Humor ist stellenweise echt herrlich

Das Spiel bietet wieder das bewährte Suchtpotential und alleine die Suche nach der perfekten Ausrüstung, dem nächsten Charakterlevel und damit auch dem nächsten freigeschalteten Skill. Hunderte Spielstunden sind garantiert, das heisst, wenn die Server von Blizzard mitspielen. Die geplanten Erweiterungen lassen Platz für Spekulationen um mögliche Gameplayerweiterungen. Wenn sich Geschichte wiederholt, so wie beim Erscheinen von „Lord of Destruction“ für „Diablo II“, könnte Blizzard das Hauptspiel „Diablo III“ durchaus nochmal toppen. Also, strengt euch an!

Kleine Nebenquests werden mit jedem Spielstart neu in den weitläufigen Arealen generiert (und einige davon sind sogar klassenspezifisch), so dass man in einem Durchgang nie alle Quests zu Gesicht bekommen kann. Erhöht auf jeden Fall den Wiederspielbarkeit ungemein, außerdem streckt es die Spielzeit nicht unnötig, wie als wenn alle Quests direkt allen Charakteren offenstehen würden. Neuerungen wie das Auktionshaus, das Skillsystem, die intuitive Möglichkeit zum Coop-spielen und das vereinfachte Inventar sprechen für einen leichteren Zugang zum Spiel, gleichzeitig ist das Gameplay so unverbraucht und zeitlos, dass sich Veteranen und Neulinge schnell heimisch fühlen werden. Und selbst im Vergleich zu den älteren Teilen wird keiner der Titel schlechter oder besser, nur stellenweise anders aber immer mit dem bewährten Rezept, den Speler für sehr, sehr viele Stunden vor den Bildschirm zu bannen. Mag sein, dass es ein wenig bunter ist, als in den Vorgängern. Ich sage dazu, dass die Farbigkeit ein wenig dem Realismus und den technischen Möglichkeiten geschuldet ist und sich die Welt in „Diablo III“ nun nicht mehr so karg und leblos anfühlt. Von Bonbon-Grafik keine Spur, außer vielleicht in Whimseyshire. Düster und bedrohlich wird es im Spiel jedenfalls noch oft genug. Dazu trägt nicht nur die Grafik bei, auch die Musik erzeugt wieder die unvergleichliche Atmosphäre. Stellenweise mit mehr als deutlichen Referenzen an den allerersten „Diablo“ Soundtrack, die Nostalgikern immer ein kleines Lächeln auf die Gesichter zaubert.


Auktionshaus, versteigert den Kram eurer Charaktere oder aus eurer Truhe


Sammelt die Früchte eures mühsamen Mäuseklickens ein


Den Screenshot hier habe ich in der für meinen Monitor höchstmöglichen Auflösung von 1920×1200 Pixeln erstellt, mit allen Effekten und Schatten etc. Klicken, um das volle Bild zu sehen.

Das Spiel lebt von seinem Spielprinzip, seiner Herkunft und der gut in den Spielefluss integrierten Story. Die Seele der Diablo Spiele ist seit dem Erstling unverändert und lädt jeden ein, seine Ausdauer mit dem Zeigefinger auf eine sehr harte Probe zu stellen. „Diablo III“ macht verdammt viel Laune und der unkomplizierte Coop-Mechanismus könnte als Beispiel wirklich Schule machen. So schön kann die Verbindung von Single- und Multiplayer-Gaming aussehen. Aber weil mir die ganze Lobhudelei zu langweilig ist, hier abschließend als Anhang noch ein Paar Mankos, die mir im Spiel aufgefallen sind.


Kein Online? Kein Spiel! Geht euch die Verbindung flöten, heisst es „Zurück zum letzten Checkpoint“. Alle EXP, Gold und Items bleiben euch aber erhalten!


Gold ist nett. Nicht nett ist es, wenn ihr keinen erweiterten Pickup-Radius habt und das Gold spaßeshalber in der Truhe generiert wird. Ob ich die 22 Goldstücke aber auch mit erweitertem Pickup-Radius bekommen hätte, werde ich wohl nie herausfinden.


Schön, wenn der Server Probleme macht und kein Charakter angezeigt wird oder keiner euer erspielten Erfolge. Wurde zum Glück seit Sonntag behoben.


We are stopping the service to pick up a service update“ ist keine Nachricht, die man während eines relativ kniffligen Bosskampfes lesen möchte, den man versucht mit einem schwächlichen Charakter zu überstehen.


Sever shutting down in 3 minutes„… nachdem ich Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt habe, um den Knochenkönig zu erledigen, kann ich das Loot einsammeln und mich entspannt zurücklehnen.

Eine Sache noch: auch wenn es durchaus Probleme auf veralteten Grafikkarten geben kann, die Systemanforderungen sind isgesamt zu hoch angegeben. Ich kann „Diablo III“ ohne zu große Einbußen auf einem AMD Athlon 64 X2 4000x Prozessor und einer AMD Radeon HD 6450 (512 MB) Grafikkarte bei 2,5 GB RAM spielen. So oder so, Grafik hin oder her, das Ding ist eine verdammte Spaßpackung… der ich alleine wegen dem Online-Zwang eine Kandidatur zum Spiel des Jahres 2012 verweigere. Service hin oder her, es sollte langsam mal bei den Herstellern ankommen, dass zahlende Kunden keine Verbrecher sind.

– Name und Systeme:
Diablo III (PC)

– Spieleranzahl:
1-4

– Mehrkosten:
Erweiterungen wahrscheinlich, bis auf Provisionsgebühren an Blizzard für Verkäufe im Auktionshaus bisher keine weiteren Gebühren

– gelungen:
Story, Charaktere, Spielewelt, Umfang, Suchtprinzip, Wiederspielbarkeit, Sprachausgabe

– weniger/nicht gelungen:
jederzeit Online-Zwang (ist sowas wirklich nötig?)

– hätte besser sein können:
Startprobleme zum Launch wg. Serverüberlastung (berühmter Error 37), übertrieben angegebene Systemanforderungen (läuft auch auf einer 2GHz Dual-Core CPU von AMD flüssig)

– Kaufempfehlung für:
Itemsammler, Coop-Fans, Diablo-Fans, Torchlight-Fans, jeder der eine stabile Internetverbindung hat

Bitte beachten!
Dieses Spielereview unterliegt ausschließlich meiner persönlichen Betrachtungsweise und ist zu keinem Zeitpunkt dem Leser Objektivität schuldig. Die Eindrücke und Erfahrungen während des Spielens können, abhängig vom Gemütszustand der spielenden Personen, Fanboyallüren, verwendeter Technik und anderen ggfs. relevanten Faktoren stellenweise erheblich variieren. Dieser Artikel stellt keine Werbung im eigentlichen Sinne dar, sondern spiegelt lediglich meine eigene Betrachtung des Spiels wieder. Das Lesen dieses Artikels ist für alle Altersgruppen gestattet, für den Erwerb des Spiels gelten die jeweils gültigen nationalen Jugendschutzgesetze.

Das hier ist kein normales Review, es ist eine Liebeserklärung. An Videospiele und ihre Spieler. An das eine Element in dem Spiel, das uns dazu bringt, Stunden um Stunden in dieses Hobby zu investieren und etwas dafür zurückzubekommen. Spiele sind kulturelle Bereicherung und Computer-/Videospiele sollten davon nicht ausgenommen sein.

Alle Bilder entstammen Screenshots, die ich aus dem Spiel heraus erstellt habe. Unterschiede in der Grafik sind auf meinerseits durchgeführte Konfigurationsänderungen zurückzuführen und sind zu keinem Zeitpunkt repräsentativ für die generelle grafische Qualität des Spiels im Allgemeinen. Alle Rechte aus den Bildern gehören ihren jeweiligen Inhabern. Das Spiel ist selbstverständlich hierzulande komplett auf Deutsch, es lassen sich aber andere Sprachpakete nachträglich installieren, so dass man auf die Englische Fassung nicht verzichten muss.

P.S.
Es gibt keinen Kuh-Level!

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